3. Die Loge und der Erstkontakt.

Die Entscheidung war gefallen, ich will auf einen Gästeabend. Schluss mit heimlich durchs Schlüsselloch schielen. Logischerweise hatte ich ja schon geschaut wo es eine Loge in der Nähe gibt. Diese kann man über die Seiten der Großloge problemlos finden. Auf der Großlogenseite mein Interesse an einem Gästeabend gemeldet und die mir am nächsten gelegenen Loge direkt angeschrieben.

Es kam auch relativ schnell eine Antwort der Loge, mit der Bitte meine Beweggründe und Beruf darzulegen. Motiviert wie ich war habe ich natürlich umgehend geantwortet. Richtig Mühe habe ich mir gegeben. Und was kam zurück, nichts. Keine Einladung, keine Absage. 4 Wochen war die Hoffnung auf eine Antwort, ab der Fünften habe ich es dann abgehakt. Na gut, anscheinend habe ich die komplett falschen Beweggründe. Aber eine Antwort wie, “sorry, bist ja ein korrekter Typ, aber das Logenhaus ist schon zu voll.” wäre ja wohl möglich gewesen.

Dann verschiebe ich die ganze Nummer halt nochmal, könnte ja sein, dass in Zukunft die Teilnahme an einem Gästeabend klappt. Die Freimaurer haben ja offenkundig einen sehr hohen Altersschnitt und wer weiß wie lange der Typ, der mich hat abblitzen lassen, die “Vorauswahl” der Gäste noch macht.

Glücklicherweise kam nach einer gewissen Zeit eine E-Mail aus einer anderen Loge aus der Nähe. Sieh an, die Großlogenseite funktioniert ja. Nochmals motiviert meine Beweggründe dargelegt und diesmal kam eine Antwort und zwar eine positive.

So konnte ich die gekaufte WooDoo-Puppe wieder einpacken und der Herr “für Absagen ist mir die Pixeltinte zu teuer” kann weiterhin interessierte Menschen ignorieren.

Was die Logensuche betrifft muss man anscheinend auch Glück haben. Die einen Logen scheinen eher halbherzig mit Neugierigen umzugehen, wiederum andere Logen geben sich wirklich Mühe im Umgang mit diesen. Ich wette durch das erstere Verhalten sind schon einige potenzielle Freimaurer verloren gegangen.

Tage später war es dann soweit. Der erste Gästeabend. Was wird mich erwarten? Wie sind die so drauf? Muss ich Blut trinken? Was opfern? Nein, zuallererst pünktlich ankommen und zwar 5 Minuten zu früh, so wie es sich gehört. Begrüßt wurde ich von dem “Meister vom Stuhl”, der Don der Loge sozusagen. Chic aber nicht zu förmlich, fester Händedruck, Augenkontakt und ein ehrliches Willkommen. Der weiß wie es geht, Gott sei gedankt nicht irgend so ein schräger Vogel (Keine Ahnung was ich erwartet hatte, ich war eben erleichtert). Wie ein Agent scannt man alles ab. Die Wände, Decken und Boden. Hier ein Symbol, da ein Bild, dort eine holde Jungfrau im Käfig. Was man eben so erwartet hat. Mein nerviges Ich schaltete sich automatisch ein als ich die anderen Herren, welche schon da waren, mit dem einschätzenden Auge abcheckte.

Hier werfe ich kurz den Anker.

Wer nun erwartet ich würde jetzt flapsige Sprüche über meine zukünftige Loge oder meinen Mitsuchenden gegenüber machen, den enttäusche ich hiermit. Aus Respekt Diesen gegenüber, werde ich hier meine große Klappe halten (Der “abblitzen Typ” ein paar Zeilen vorher hatte jedoch einen Spruch verdient) . Man hat nämlich nach ein paar Gästeabenden doch eine spezielle Art der Bekanntschaft aufgebaut. Mit einem der anderen Suchenden und natürlich im speziellen mit meinem Bürgen, komme ich sogar äußerst gut zurecht. Die Aussage “Menschen kennen lernen die man sonst nie kennen lernen würde” stimmt zu 100% und ist für einen Suchenden die eventuell erste typische Freimaurererfahrung.

Anker einholen, zurück zum Gästeabend.

Nachdem ich jedoch gemerkt habe, dass ich Pflock und Knoblauch nicht brauchen werde sind mir ein paar Dinge aufgefallen. Da herrscht zum einen dieser förmliche Respekt untereinander. Knigge wäre verzückt gewesen. Es wird einem zugehört und niemand quatscht dazwischen, niemand schaut auf sein Handy, geschweige denn es läge eines in Griffweite. Man sollte meinen dies wäre selbstverständlich, aber heutzutage ist Aufmerksamkeit ein hohes Gut. Auch fällt einem der Umgang unter den Freimaurern auf. Da ist diese Verbindung, auch für Außenstehende, deutlich zu erkennen. Es wirkt authentisch und lässt einen automatisch entspannter sein.

Den weiteren Abend kann man mit Historie der Freimaurerei, Fragen und Antworten beschreiben. Wir wurden gut informiert und es gab keine Fragen die nicht gestellt werden konnten, ob diese dann auch beantwortet werden steht auf einem anderen Blatt. Das ist wie in einem Vorraum stehen, du darfst dir alles angucken, anfassen und Fragen darüber stellen, doch sobald es darum geht was hinter der Tür ist bekommst du bloß eine Antwort: Nur für Freimaurer

Als der Abend zu Ende ging, wir alle noch ein wenig geplauscht und uns kennengelernt haben, stand für mich fest: das war nicht mein letzter Gästeabend und ich will mehr erfahren.

Im nächsten Eintrag geht es um das Thema: ich bin Suchender, aber wonach eigentlich?

Euer Ich